Regenschirme: Stil-Tipps Männer von Welt

Die Süddeutsche läßt Ihre Leser nicht im Regen stehen

Schon häufiger hatten wir an dieser Stelle über ein gewisses Unbehagen berichtet, welches viele Männer beim Gedanken an einen Regenschirm befällt. Vor wenigen Tagen ging nun die Süddeutsche Zeitung diesem „seltsamen Verhältnis“ in aller gebotenen Ausführlichkeit auf den Grund.

Als Ausgangspunkt der Analyse diente die Beobachtung, dass sich eigentlich nur der klassische britische Gentleman auf die elegante Nutzung eines Schirms versteht. Während etwa beschirmte englische Film- und Rockstars optisch bestens funktionieren, wirken andernorts selbst gestandene Staatsmänner unter Regenschirmen lächerlich.

Dass es „einem Durchschnittsmann“ somit erst recht „offenbar unmöglich ist, einen Schirm mit Würde zu tragen“, lastet der Autor nicht zuletzt dem Siegeszug der Taschenschirme an – schließlich könne niemand seine maskuline Seite zum Ausdruck bringen, der sein Haupt z.B. mit einem Taschenschirm von Knirps vor Nässe schützt.

Da sich derartige Mini-Schirme jedoch ohnehin eher selten in Herren-Handtaschen verirren, sorgt vor allem ein selbst in diesem Bereich unverzichtbare Experte für Erkenntnisgewinn. „Stil- und Kleidungsexperte“ Bernhard Roetzel weiß gleich von einem ganzen Bündel von Problemen zu berichten, welche die friedliche Koexistenz von Mann und Schirm erschweren.

Regenschirme trägt man mit Würde – oder gar nicht

So kommt es für einen stilechten Auftritt zunächst einmal auf die optimale Länge des Regenschirmes an. Diese ist demnach gegeben, wenn sich die Hand samt Griff unter dem geöffneten Schirm an einem leicht angewinkelten Arm in Hüfthöhe befindet.

Dass diese Vorgabe vielen Zeitgenossen als etwas zu kompliziert erscheint, führt Roetzel auch auf die „Generation Umhängetasche“ zurück, die sich bedauerlicherweise weder auf das Tragen von Aktentaschen und Hüten noch auf das ordnungsgemäße Ausmanövrieren der genutzten Stockschirme versteht.

In Ermangelung brauchbarer Vorbilder macht sich unter den künftigen Rentenzahlern aber auch eine durchaus nachvollziehbare Verwirrung breit; den „gewissen Rhythmus beim Gehen und ein abgestimmtes Schwenken und Aufsetzen des Schirmstocks“ hatten sich frühere Jahrgänge schließlich noch bei ihren Opas abgeschaut.

Leider bleibt an dieser Stelle ungeklärt, warum die momentan als potentielle Vorbilder infrage kommenden Großväter ihre Regenschirme offensichtlich sehr viel weniger rhythmisch bedienen: Möglicherweise zeigt sich hier ganz einfach der allgemeine Verfall der Werte, von dem aktuell so oft die Rede ist.

Deutlich ausführlicher geht der Stil-Experte hingegen auf die schädliche Wirkung von Billig-Schirmen ein. Bei dieser Gelegenheit bekommen dann auch gleich noch als Werbegeschenke an den Mann gebrachten Regenschirme einen Rüffel ab.

Da kostengünstig produzierte Modelle und Werbeschirme hier jedoch in einem Atemzug Erwähnung finden, steckt der Teufel wieder einmal im Detail: Schließlich erfüllen von Natur aus nur jene Werbegeschenke ihren Zweck, die auch etwas höheren Qualitätsansprüchen genügen: Und damit können nur unsere Regenschirme von Fare gemeint sein!

Werden die anderen Stil-Hinweise beachtet, machen modebewusste Männer folglich sehr wohl auch unter einem stimmigen Werbeschirm eine gute Figur – ganz so kompliziert scheint das Verhältnis zwischen dem zweitschönsten Geschlecht und dem Regenschirm also gar nicht zu sein.