Die Regenpresse: Speerwerfen auf dem Fußballplatz

Regenschirme in Polizeiberichten…

Da sich der nie so recht in Schwung gekommene Sommer in diesen Tagen schon wieder eine Pause nimmt, liegen die Nerven vielerorts offensichtlich blank. Auf die Witterung ist es zweifelsohne auch zurückzuführen, dass sich derzeit vermehrt Regenschirme in den Polizeibericht verirren.

Obgleich dem Schirm eigentlich ein harmloses Wesen zu eigen ist, droht sich aus dessen Addition mit dem Wetter-Frust ein hochexplosives Gemisch zu ergeben: Wie unter anderem die Hamburger Morgenpost berichtet, hat ein solches Exemplar nun sogar eine Massenschlägerei ausgelöst.

Streng genommen scheint der vorliegende Fall jedoch vor allem ein weiteres Beispiel dafür zu liefern, dass im Amateur-Fußball zunehmend raue Sitten herrschen. In der Hansestadt gingen einem Zuschauer schließlich bei einem Duell der B-Teams aus Poppenbüttel und Schnelsen die Nerven durch.

Weil der Schiedsrichter das klassische Kampfspiel nach der fünften roten Karte für die Gäste den Regeln entsprechend abgebrochen hatte, warf der darüber erboste 42-jährige Täter seinen mitgeführten Werbeschirm als Speer der Heim-Mannschaft entgegen.

Auch in dem daraus resultierenden Tumult mischte der Schnelsen-Fan dann nach Kräften mit. Schlussendlich wurde die Besatzung von acht Polizeiwagen benötigt, um die mittlerweile über 30 aufeinander losgehenden Streithähne wieder voneinander zu trennen.

Zur Wiederherstellung von Recht und Ordnung trug dabei vor allem die vorübergehende Festsetzung des Speerwerfers bei, der sich nun in einem Ermittlungsverfahren mit den Vorwürfen der gefährlichen Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung auseinandersetzen muss.

In niederrheinischen Erkelenz wird laut der Aachener Zeitung derweil noch immer nach einem jungen Pärchen gefahndet, welches bei seinem Raubzug gleichfalls Stockschirme bei sich trug – und diese beim „Abziehen“ von Smartphones auch gnadenlos zum Einsatz brachte.

Der Forderung nach der Herausgabe der Beute verlieh der männliche Täter schließlich mit etlichen gezielten Schirm-Schlägen zusätzliches Gewicht; erfreulicherweise stellten sich die Verletzungen des davon zu Fall gebrachten Opfers hiernach aber nur als halb so wild heraus.

Das glimpfliche Ende kann aber freilich nichts an dem oberflächlichen Eindruck ändern, dass der Regenschirm momentan besonders oft in die falschen Hände zu geraten scheint – dieses schiefe Bild ist in Wirklichkeit aber natürlich vielmehr auf die derzeitige Allgegenwart des Schirms zurückzuführen.

In den vielleicht nassesten Tagen seit der Erfindung des Sommers dürften sich Regenschirme somit mehr denn je als Werbegeschenke der ersten Wahl erweisen: Und wer fürchtet, dass derartige Werbegeschenke möglicherweise nur Unruhe stiften, greift am besten kurzerhand auf die diesbezüglich gänzlich unbedenklichen Taschenschirme zurück.