Regenschirme – Colt des kleinen Mannes?

Peinlichkeiten allerorten

Es mag auch auf die unwirtliche Witterung zurückzuführen sein, dass die Zeiten offensichtlich rauer werden: Wer in den vergangenen Tagen in die Erzeugnisse der Presse blickte, kam an mehr oder weniger großen Hiobsbotschaften praktisch nicht vorbei. Dabei scheint es ein besorgniserregender Trend zu sein, dass insbesondere bei den etwas kleineren Reibereien des Alltags immer häufiger beherzt zum Schirm gegriffen wird – uns lässt die erstaunliche Häufung der berichteten Vorfälle befürchten, dass für den Kauf eines Regenschirms möglicherweise schon bald die Vorlage einer Waffenbesitzkarte erforderlich sein könnte.

Andererseits geht es aber vielleicht auch noch gerade so als eine lässliche Sünde durch, wenn ein älterer Herr mit den Gepflogenheiten der modernen Zeiten fremdelt: Wird etwa selbst von mitten im Leben stehenden Zeitgenossen oft etwas befremdet auf den um sich greifenden Halloween-Kult geblickt, kann das unkontrollierte Herumgeistern von Halbwüchsigen gesetztere Herrschaften durchaus einmal komplett aus der Fassung bringen. So war bei einem 78-Jährigen nach dem Besuch zahlreicher ungebetener Gäste irgendwann der Rubikon überschritten, was bedauerlicherweise zu Lasten eines 11-jährigen Mädchens ging.

Wie retter.tv – das Online-Magazin für Einsatzkräfte aller Art – recherchierte, war das Mädchen aus Espelkamp eigens in Begleitung ihres Vaters unterwegs, um die in großer Zahl erbeuteten Schätze in Sicherheit zu bringen: Der Beutezug fand jedoch ein abruptes Ende, als diese den folgenschweren Fehler beging, an der Tür des besagten Allerheiligen-Traditionalisten zu klingeln. Wie der unmittelbar hinzugezogenen Polizei berichtet wurde, schlug der entnervte Rentner ohne jede Vorwarnung mit einem Werbeschirm auf sein jugendliches Opfer ein, das in der Folge Verletzungen an beiden Armen erlitt.

Dass Stockschirme im Zweifelsfall nicht nur vor Regen schützen, hat sich mittlerweile auch bis nach Paderborn herumgesprochen: So weiß Presseportal.de von einem dort ansässigen 42-Jährigen zu berichten, der nach einem alkoholgeschwängerten „Amoklauf“ gleich vier Delikte auf dem Kerbholz hatte. Nachdem zunächst der Diebstahl von zwei Jacken scheiterte, griff er bei den folgenden Vergehen auf die Unterstützung seines Schirms zurück – was die Sache nicht zuletzt aufgrund der zuhauf konsumierten Getränke für den Täter freilich kein bisschen besser machte.

So brachte eine Ladenbesitzerin anfänglich selbst der vorgehaltene Regenschirm nicht davon ab, die ursprünglich geforderten 10 Euro auf den hälftigen Betrag herunterzuhandeln, der zudem nur unter der Bedingung den Besitzer wechselte, dass der Räuber eine Kopie seines Personalausweises gestattete. Nachdem die folgende Geldforderung in einem angrenzenden Geschäft gar kein Gehör gefunden hatte, ließ sich der Mann zu guter Letzt auf ein kämpferisches Scharmützel in einer Backstube ein, welches dann die eilig herbeigerufene Staatsmacht für sich entschied.

Zunehmend hält sich allerdings das Gerücht, dass sich das große Geld gar nicht mit halbherzigen Raubzügen in der ostwestfälischen Provinz verdienen lässt: Viel schneller wird das bereits im Überfluss vorhandene Kapital schließlich vermehrt, wenn sich ein Formel-1-Mogul mit einem Modedesigner zusammentut, der sich von jeher der Ausstattung der oberen Zehntausend verschrieben hat. Pünktlich zur Rückkehr von Guido Westerwelle auf die öffentliche Bühne haben Flavio Briatore und Angelo Galasso angeblich einen Schirm kreiert, der getrost als ein Debattenbeitrag zum Thema „spätrömische Dekadenz“ verstanden werden kann.

Da bei der besseren Gesellschaft weder Taschenschirme noch Werbeschirme Eindruck schinden können, wurde die Schöpfung des kongenial peinlichen Duos lediglich mit feinstem Krokodilleder bestückt, das ganz nebenbei den Vorzug haben soll, selbst stärkeren Windböen anstandslos zu trotzen. Dass ein solches Prachtexemplar von einem Regenschirm dann kaum als Werbegeschenk in der Boxengasse oder in Flavios Billionaire Club in Porto Cervo herumliegen dürfte, leuchtet sicherlich auch absoluten Mode-Muffeln sofort ein: Der vom diesbezüglichen Experten-Portal most-expensive.com kolportierte Stückpreis von rund 50.000 Dollar macht deutlich, dass Stil nun einmal nicht zum kompletten Nulltarif zu haben ist. Und falls Sie am Wochenende sowieso vor Ort sind: Der Schirm soll in der Grabbelkiste des Billionaire Couture Flagship Store in London herumliegen.