Regenschirme und Fahrradfahrer

Dass der Frühling sein blaues Band wieder durch die Lüfte flattern lässt, findet erwartungsgemäß auch in der Morgenlektüre seinen Widerhall. In den Zeitungen und Blogs wimmelt es nur so von Servicetexten, die sich um eine der fraglos schönsten Jahreszeiten – und glücklicherweise auch Regenschirme – drehen.

So nimmt etwa die Westfälische Allgemeine all jene Leser an die Hand, die fortan wieder öfter auf ihr Fahrrad steigen. In der gebotenen Ausführlichkeit wurde die Polizei befragt, welches Verhalten sich auf dem Drahtesel geziemt. Unbefriedigt bleiben dabei jedoch ausgerechnet passionierte Regen-Radler zurück, die nach verlässlicher Rechtssicherheit begehren: Während sich das Radfahren mit aufgespanntem Regenschirm in Münster nämlich grundsätzlich verbietet, drückt die Obrigkeit in Borken bei einem solchen Vergehen angeblich „schon einmal eher ein Auge zu“.Im Falle eines Malheurs ist es dann allerdings auch an der niederländischen Grenze schnell mit der Lockerheit vorbei. Für in einen Unfall verwickelte Regenschirme werden stets deren Besitzer zur Rechenschaft gezogen.
Diesbezüglich sind Hundebesitzer aber deutlich besser dran, denen der ADFC sogar empfiehlt, die Leine während der Fahrt in die Hand zu nehmen. Der ergänzende Hinweis, „dass alle anderen Tiere nicht angeleint mitgeführt werden dürfen“, scheint derweil den Eigentümlichkeiten des westlichen Münsterlandes geschuldet zu sein.

Dürften mit Regenschirmen „bewaffnete“ Radfahrer jedoch nicht nur aufgrund der juristischen Fallstricke auch weiterhin zu einer kleinen Minderheit zu zählen sein, hat sich die permanente Beschirmung in Teilen von Schweinfurt längst flächendeckend durchgesetzt.

Insbesondere auf dem Friedhof im Ortsteil Oberndorf haben mittlerweile bei jeder Wetterlage haltbare Stock- und Taschenschirme Hochkonjunktur – schließlich erweisen sich diese als ausgesprochen nützlich, um der grassierenden Krähenplage Herr zu werden. Die skandalösen Zustände in Unterfranken riefen in den vergangenen Tagen gleich mehrere Medienvertreter auf den Plan. Sowohl in der Main-Post als auch auf Radio Bayern durften gestörte Friedhofsgäste den permanent niederprasselnden Kot beklagen.
Ein erkennbar von Alfred Hitchcock inspiriertes Beweisvideo deckt zudem auf, dass die Krähen überdies keinerlei Rücksicht auf die eigentlich obligatorische Friedhofsruhe nehmen: Die Störenfriede zeichnet ein offenbar unbändiges Mitteilungsbedürfnis aus. Um den unhaltbaren Zuständen abzuhelfen, zieht die Stadt bereits die Zwangsräumung sämtlicher Nester in Erwägung. Bis es jedoch irgendwann so weit ist, ziehen auf den Friedhof eigens engagierte Reinigungsteams ihre Runden.

Als praktikable Alternative könnten ansässige Händler zwischenzeitlich dazu übergehen, großflächigen Schutz bietende Stockschirme mit Werbeaufdruck als Werbegeschenke zu verteilen; eine verlässlichere Laufkundschaft als Friedhofsbesucher dürfte immerhin nur schwerlich aufzutreiben sein.

Dabei gilt es allerdings den Beweis zu erbringen, dass Werbegeschenke auch pietätischen Ansprüchen Rechnung tragen können – gut gemeint ist schließlich auch in diesem Fall noch lange nicht auch gut gemacht.