Im Trend: Leih-Regenschirme

Kundenbindung bei schlechtem Wetter

Dem lokalen Einzelhandel wird bekanntermaßen seit Jahren von der der Konkurrenz aus dem Internet zugesetzt: Zwar können die deutschen Verbraucher dank der historisch hohen Beschäftigungszahlen derzeit nach Kräften konsumieren; dass in einigen Branchen jedoch bereits jeder zweite Kauf „online“ getätigt wird, lässt die Umsatzzahlen der klassischen Händler natürlich nicht unberührt. Diese schlagen nun zunehmend mit einer Service-Offensive zurück: So sollen in immer mehr Städten und Gemeinden auch mit dem unkompliziertem Verleih von Regenschirmen zusätzliche Kunden in die Einkaufsstraßen und Shoppingcenter gelockt werden.

Heißt es in einem alten Witz, dass der Deutschen Bahn mit dem Frühling, Sommer, Herbst und Winter gleich vier natürliche Feinde zu schaffen machen, treiben den Händlern in den Innenstädten regelmäßig vor allem sich auftürmende Regenwolken am Himmel den Angstschweiß auf die Stirn. Kündigt sich ein unwirtlicher Tag voller Regel an, bleiben schließlich besonders viele potentiellen Kunden den Einkaufsstraßen fern. Leihregenschirme könnten also durchaus ein probates Mittel sein, um dem gefürchteten „Umsatzkiller Regen“ den Schrecken zu nehmen.Initiatoren sind meist die örtliche Händlergemeinschaft, ein Gewerbeverein, die Kommune oder eine Stadtmarketing-Gesellschaft. Die Idee ist nicht ganz neu, denn gute Hotels und auch Friseure stellen ihren Kunden schon lange mit Logo bedruckte Regenschirme leihweise zur Verfügung.

Regenschirme für Friedrichstadt

shz.de: Regenschirme für Friedrichstadt

Städte lassen ihre Besucher nicht im Regen stehen

Sicherlich ist es ein unbestreitbarer Nachteil, dass sich bei der Nutzung eines Regenschirms die Zahl der Hände halbiert, die zum Tragen der vollgepackten Einkaufstüten in der Lage sind; dennoch nehmen etwa die Braunschweiger Einzelhändler zufrieden zur Kenntnis, dass sich die – meist für einen Pfandbetrag von rund 5 Euro – zur Verfügung gestellten Werbeschirm einer steigenden Nachfrage erfreuen. Dabei steht es den Kunden frei, die hinterlegte Summe als Kaufpreis anzusehen: Ist nämlich durch den Einkauf erst einmal eine innige Beziehung zu dem rettenden Regenschirm entstanden, kann dieser ebenso gut auch dauerhaft in Besitz genommen werden.

Auch im nordrhein-westfälischen Hattingen ist mit dem hier jedoch auf 10 Euro festgesetzten Leihbetrag auf Wunsch gleich der Kaufpreis abgegolten: Insbesondere regelmäßigen Nutzern des Leih-Services bleibt somit die kleine Beschwerlichkeit erspart, sich zu Beginn eines jeden Einkaufs zunächst einmal um einen Regenschutz zu kümmern: Oft kann man „seinen“ Schirm im Parkhaus entgegennehmen und auch wieder abgeben! Während sich die Qualität der Regenschirme bei diesem niedrig angesetzten Preis aber natürlich in Grenzen halten muss, deckt in der norddeutschen Friedrichstadt ein solch geringer Pfand offenbar nicht die Herstellungskosten ab – weshalb die örtliche Initiative ganz auf das Vertrauensprinzip setzt.

In Wuppertal ist der Bedarf an Regenschirmen besonders groß

Weil es die Friedrichstädter Händler ihren Kunden verständlicherweise nicht zumuten möchten, stolze Preise für den geliehenen Regenschirm zu berappen, werden die Besucher allein durch den kostenfreien Service daran erinnert, dass nach dem Abschluss des Einkaufs die Leihgabe zurückerwartet wird. Obwohl eigentlich die Küste für ihr legendäres „Schietwetter“ verrufen ist, dürften die shoppenden Flaneure im Wuppertaler Stadtteil Ronsdorf die von der Einzelhändlergemeinschaft kürzlich beschlossene Anschaffung von 200 Leih-Rregenschirmen besonders zur Kenntnis nehmen – immerhin ist die für ihre Schwebebahn berühmt gewordene Perle im Bergischen Land aus unerfindlichen Gründen schon seit Jahren auf dem ersten Platz der regenreichsten Städte Deutschlands zu finden.

Regenschirm-Verleih

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