Die Regenpresse: der freihändige Regenschirm

Das Phänomen gegenläufiger Trends scheint zunehmend auch Regenschirme zu betreffen, die längst noch nicht allerorten zu einem lieblos behandelten Wegwerfartikel verkommen sind: Besonders exklusive Exemplare visieren mehr denn je die obersten Preissegmente an.

Während der durchschnittliche Max Mustermann jährlich gerade einmal vier Euro in den Schutz seines trockenen Hauptes investiert, werden nach alter Handwerkskunst gefertigte Einzelstücke längst zu echten Liebhaberpreisen über die Ladentheke gereicht.

Weil sich anderseits technische Innovationen auch bei Regenschirmen immer wieder als Preistreiber erweisen, löste es kaum noch Verwunderung auf, dass kürzlich in der Computerwoche ein Bericht über den jüngst auf den Markt geworfenen „teuersten Regenschirm aller Zeiten“ erschien.

Die bereits im Januar auf der CES vorgestellte Regenschirm-Drohne schlägt demnach mit sportlichen 1700 Euro zu Buche: Für diesen stolzen Preis wird den solventen Käufern jedoch auch an regnerischen Tagen die gewohnte Armfreiheit gewährt.

Da die fliegenden Regenschirme ihren Besitzer via GPS auf Schritt und Tritt verfolgen, lässt sich fortan auch an Schlechtwettertagen der Kaffeebecher gefahrlos durch die Straßen balancieren – dies kann jedoch freilich nur dann gelingen, wenn es zwischen den Drohnen nicht zu ärgerlichen Kollisionen im Luftraum kommt. Auch darüber hinaus hat die Computerwoche einige Schwachpunkte ausgemacht, die einem flächendeckenden Einsatz der Regenschirme im Wege stehen: Aufgrund des nur 30 Minuten durchhaltenden Akkus dürften sich diese etwa lediglich auf kurzen Arbeitswegen bewähren.

Auch hinsichtlich seiner Maße stellt sich das fliegende Ungetüm nicht als sonderlich alltagstauglich heraus. Lassen sich Taschenschirme z.B. von Fare mühelos in fast jeder Handtasche verstauen, artet der Transport der „DJI Phantom 4 Umbrella Drone“ mit einiger Verlässlichkeit in Arbeit aus.

Allerdings kommt es nicht von ungefähr, dass die Drohne auch unter Beachtung des exklusiven Preises einen nicht ganz ausgegorenen Eindruck hinterlässt. Das für das Prachtexemplar verantwortliche Unternehmen dronesdirecht.co.uk ist schließlich schon seit längerem für seinen typisch britischen Humor bekannt. So hatten die findigen Köpfe jener Firma kürzlich bereits mit einer mit Gold überzogenen Drohne ohne Logo für Gesprächsstoff gesorgt, die mit einem Kaufpreis von weit über 20.000 Euro zweifelsohne zu den etwas teureren Spielzeugen zu zählen ist.

Wenngleich der Hersteller somit gar nicht daran denkt, die Regenschirm-Drohne zur endgültigen Marktreife zu bringen, lässt diese doch erahnen, dass die seit Jahrhunderten bewährte Form des Schirms möglicherweise noch nicht das Nonplusultra ist. Für fliegende Stockschirme dürften sich – bei rapide fallenden Preisen – nicht zuletzt Werbetreibende und evtl. auch Fahrradfahrer brennend interessieren: Die Wirkung derzeit noch händisch durch den Regen getragener Fare Regenschirme mit Werbeanbringung ließe sich hier erheblich optimieren.

Vielleicht machen also schon bald über den Köpfen schwebende Werbegeschenke den an Zeppelinen und Flugzeugen durch die Lüfte flatternden Bannern Konkurrenz: Im Gegensatz zu goldenen Drohnen könnten fliegende Regenschirme durchaus eine ganze Menge Potential besitzen.