Die Regenpresse: Inside out

Triefendnasse Regenschirme adé?

Die Innovationsfreude der Regenschirm-Fans ist derart ungebrochen, dass selbst uns die eine oder andere Neuerung zunächst durch die Lappen zu gehen droht: So hatte etwa der KAZbrella bereits vor über einem Jahr auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter für Furore gesorgt.

Wie der beachtliche Erfolg der Kampagne beweist, war dieser Schirm jedoch gar nicht auf das groß angelegte Rühren der Werbetrommel angewiesen. Nachdem die erste Charge offenbar in Windereile vergriffen war, wird nun im Herbst 2016 mit dem zweiten Produktionslauf nachgelegt.

Eben diesen hatte dann kürzlich das TV-Magazin Galileo zum Anlass genommen, in aller Ausführlichkeit über den KAZbrella zu berichten. Dabei wurde der staunenden Öffentlichkeit ein Konzept erhellt, welches möglicherweise auch für werbende Unternehmen von gesteigertem Interesse ist.

Waren die Markenbotschaften auf den als Werbegeschenke an den Mann gebrachten Regenschirmen bislang schließlich auch nach der Nutzung gnadenlos der Witterung ausgesetzt, kommen diese hier nur noch zum Einsatz, wenn ein Regenschutz auch wirklich vonnöten ist.

Mittels eines raffinierten Schiebemechanismus wird beim KAZbrella die äußere Seite nach dem Gebrauch nach innen eingeklappt – was zur angenehmen Folge hat, dass die aufgenommene Nässe sicher im Inneren der Regenschirme eingeschlossen wird.

Setzt sich dieses Verfahren durch, dürften tropfnasse Spuren an den Eingangstüren von Gebäuden schon bald der Vergangenheit angehören. Obendrein gestattet es die Erfindung, den Schirm beispielsweise erst nach dem Einstieg in das Auto sicher zu verschließen: Ein kleiner Luxus, auf den vor allem so mancher Nutzer eines sperrigen Stockschirms händeringend gewartet haben wird.

Dabei wirkt es schon einigermaßen kurios, dass der KAZbrella ausgerechnet auf der vermeintlichen Sonneninsel Zypern das Licht der Welt erblickte. Rund zehn Jahre seiner Lebenszeit hat der Ingenieur Jenan Kazim vorgeblich in die Entwicklung investiert, bis das Produkt endlich doch die Marktreife erlangte.

Angesichts des langen Vorlaufs kann es nicht verwundern, dass über den Klappmechanismus hinaus auch noch so manches zusätzliche Extra abgefallen ist: Unter anderem sollen doppelte Speichen auch bei etwas heftigeren Windstößen das leidige Umklappen des Schirms verhindern.

Noch ist es jedoch zugegebenermaßen ein Manko, dass der KAZbrella lediglich in einer Variante und zwar als Stockschirm erhältlich ist. Spaziergänger, die aus guten Gründen Taschenschirme favorisieren, müssen – beziehungsweise dürfen – auch weiterhin mit dem bewährten Klassiker vorlieb nehmen.

Der vergleichsweise stolze Preis dürfte darüber hinaus zunächst auch einer intensiven Nutzung im PR-Bereich im Wege stehen: Aufgrund der Kosten von rund 50 Euro sind diese Regenschirme aktuell allenfalls als Werbegeschenke für besonders gute Kunden, als Prämie oder als Incentive für Mitarbeiter interessant.