Die Regenpresse: Regenschirme für Rolls-Royce

Über das Geschäft mit dem Regen
 Während sich die Presse in ihrer Berichterstattung rund um den Regenschirm zumeist mit mehr oder weniger Alltäglichem beschäftigt, lässt sich manchmal doch eine kleine journalistische Perle finden, die einen etwas intensiveren Blick hinter die „Schirm-Kulissen“ gestattet.

Derart Erhellendes lieferte vor wenigen Tagen etwa die österreichische Tageszeitung Die Presse frei Haus, die ihr Firmenporträt über den Schirmhersteller Doppler überdies auch in ihrem kostenfreien Onlineangebot verfügbar machte.

Wenngleich das in den Fokus gerückte Unternehmen traditionell in Braunau am Inn beheimatet ist, dürfte der Bericht auch für hiesige Leser von Interesse sein; immerhin wird von dem Familienbetrieb auch deutsches Kulturgut gewissenhaft verwaltet. Seit Doppler im Jahr 2005 den konkurrierenden Knirps schluckte, kommen die legendären Taschenschirme unter neuer Flagge auf dem Markt.

Dabei entspricht es den üblichen Gepflogenheiten der Branche, dass der Knirps längst den Werkshallen in Fernost entstammt: In der nach Hongkong ausgelagerten Produktion werden rund 300 Kleinteile für jährlich bis zu vier Millionen Schirme hergestellt.

Derweil lediglich 80 Mitarbeiter für diesen Massenausstoß verantwortlich zeichnen, wendet sich der in der Heimat verbliebene Firmensitz den Premiumprodukten „Made in Austria“ zu; in der in Braunau ansässigen Manufaktur frickeln 160 Angestellte alljährlich rund 18.000 Regenschirme zusammen.

Dass in jedem vor Ort gefertigten Schirm eine ganze Arbeitsstunde steckt, hat natürlich seinen Preis: Für die hochwertig produzierten Taschenschirme und Stockschirme – die hier unter dem Namen Langschirme firmieren – werden je nach Material und Bauart bis zu 300 Euro in Anschlag gebracht.

Angesichts dieser Preisgestaltung kommen die aus Österreich stammenden Schirme üblicherweise nicht als klassische Werbeartikel in Frage – dafür haben erwartungsgemäß die Hersteller von Luxusgütern ihr Herz für die Firma Doppler entdeckt.

So entstammen der Manufaktur jährlich etwa jene rund 8.000 Regenschirme, die zur Standardausstattung eines Rolls-Royce gehören. Da diese besonders edlen Schirme auf dem freien Markt vierstellige Preise erzielen, sind die etwas spezielleren „Werbegeschenke“ zu den begehrtesten der gesamten Innung zu zählen.

Trotz solch beachtlicher Zahlen tragen die Regenschirme allerdings nur etwa ein Drittel zum Jahresumsatz von 55 Millionen Euro bei: Weil entgegen anderslautender Vermutung auch kein Verlass mehr auf den Regen ist, macht Doppler mittlerweile mit der Herstellung von Sonnenschirmen das größere Geschäft.

Dabei reicht bereits die jährliche Produktion von einer Million Exemplare, um den Löwenanteil des Umsatzes zu generieren: Während Käufer beim Erwerb eines Regenschirms also kräftig knausern, scheint das Geld im Sommer tatsächlich deutlich lockerer zu sitzen.