Schirmmacher an der blauen Donau

Dass die Tage immer kürzer werden, lässt auch die schreibenden Berichterstatter nicht unberührt. Seit dem Anbruch der dunklen Jahreszeit scheint die Redaktionsstuben eine leichte Melancholie befallen zu haben, die sich jetzt in einem verstärkten Ausstoß nostalgisch angehauchter Artikel niederschlägt: „Es wird Herbst, schreib‘ doch einfach mal was über Regenschirme!“

Dies hat unter anderem zur lobenswerten Folge, dass sich die bekanntermaßen vom Aussterben bedrohte Schirmmacherinnung derzeit einer ungeahnten Würdigung erfreut: Nachdem in den letzten Wochen schon etliche Medienerzeugnisse über die Freuden und Sorgen der Händler berichteten, schaute nun auch die österreichische Tageszeitung Die Presse in einem entsprechenden Etablissement vorbei.

Dabei ist es kein Zufall, dass Die Presse ausgerechnet im Schirmfachgeschäft Brigitte vorstellig geworden ist; der in der Nähe des zentralen Schwedenplatzes gelegene Laden hat sich in der österreichischen Hauptstadt als letzter seiner Art auf den Verkauf von Regenutensilien spezialisiert.

Das Angebot bleibt hier allerdings nicht auf Regenschirme sämtlicher Gewichts- und Preisklassen beschränkt; ebenso ist etwa auch eine spezielle Regenkleidung erhältlich, welche Wanderer und Radfahrer ihr Tagewerk dank eines eingearbeiteten Sichtfensters auch bei Regenwetter trockenen Fußes verrichten lässt. Obendrein wird das Sortiment von Handschuhen ergänzt, die in den besseren Kreisen von Wien noch vor ein paar Jahrzehnten zur üblichen Ausrüstung bei „Sauweda“ gehörten: Da sich die Zeiten jedoch auch an der Donau ändern, sind derartige Accessoires mittlerweile kaum mehr als Werbeartikel gefragt.

Während Robert Suchanek, der seit zwölf Jahren in der Brigitte die Geschäfte führt, den Niedergang der längst zum Kassengift verkommenden Handschuhe beklagt, kann sich dieser über die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Regenschirmen jedoch noch immer nicht beschweren.

Zwar hatte das ursprünglich vor einem Jahrhundert an Ort und Stelle gegründete Schirmgeschäft in seinen goldenen Jahren über vier Filialen in Wien verfügt; auch in der Gegenwart verdient ein versierter Schirmmacher aber erfreulicherweise gut genug, um zum Bestreiten des Lebensunterhalts nicht auf Werbegeschenke angewiesen zu sein. Dabei werden für die im Laden erhältliche Stockschirme und Taschenschirme noch nicht einmal unweigerlich das Budget sprengende Mondpreise abgerufen: Auch, wenn es natürlich gern teurer geht, wechseln hier bereits für knapp 30 Euro qualitativ ansprechende Regenschirme den Besitzer.

Zumindest teilweise haben es die Kunden im Übrigen selbst in der Hand, die Lebensdauer auch von den aus Fernost stammenden Billig-Schirmen spürbar zu verlängern: Aus dem Nähkästchen plaudernd, gibt Suchanek das kleine Einmaleins des geheimen Schirmmacherwissens preis; Demnach machen Experten die falsche Handhabung für bis 60% aller Beschädigungen verantwortlich: Die zu den klassischen Schwachstellen zählenden Stahlstreben werden etwa durch ein anfängliches Aufschütteln und ein anschließendes „sachtes“ Öffnen des Schirms geschont.