Die Regenpresse: ein Blick in die Zukunft

An den ersten Tagen des neuen Jahres nahm erstmals der so lange vermisste Winter die mitteleuropäischen Gefilde in den Würgegriff – und schon bei den ersten zaghaft niedergehenden Flocken zeigte sich im Straßenbild, dass Regenschirme im Zweifelsfall auch als Schneeschutz treue Dienste leisten. Dass sich der Schirm auch in den kommenden Monaten oft genug als bester Freund des Menschen erweisen wird, kann unsere kleine Vorschau auf das Jahr 2016 erhellen: In Sachen Trends sind unsere Regenschirme schließlich auch künftig ganz vorne mit dabei.

Schon in der jüngeren Vergangenheit war den einschlägigen bunten Blättern regelmäßig zu entnehmen, dass eine rasant wachsende Zielgruppe den stets bereitgehaltenen Schirm als einen Ausdruck der eigenen Persönlichkeit begreift: In einem Umfeld, welches im Zuge der Massenproduktion auf „billig“ setzt, sind besonders wertige und exklusive Modelle dabei behilflich, sich stilvoll vom herrschenden Zeitgeist abzusetzen. Sogar an tendenziell eher wolkenlosen Tagen kann der Schirm somit als ein das Outfit komplettierendes Accessoire Verwendung finden – auch in ziemlich außergewöhnlichen Situationen sind viele Menschen nicht mehr „oben ohne“ unterwegs.

Folgerichtig wussten in der vergangenen Woche verschiedene Zeitungen von Schirm-Fans zu berichten, die selbst beim Sprung ins kalte Wasser ihr Haupt vor ungewollter Nässe schützen. Sowohl beim traditionellen Abbaden in Mainz als auch bei dem noch stärker frequentierten Neujahrs-Anbaden in Wyk hatten sich einige Regenschirm-Träger unter das badende Volk gemengt. Wie sich den jeweiligen Bilderstrecken auf dem Onlineportal shz.de bzw. dem für Föhr und Amrum zuständigen Insel-Boten entnehmen lässt, griffen die offensichtlich kälteresistenten Schwimmer vorsichtshalber jedoch bevorzugt auf extrem preiswerte Werbeschirme zurück.

Während Werberegenschirme demnach auch weiterhin für gern gesehene Aufmerksamkeit sorgen, brechen für klassische Stockschirme möglicherweise etwas schwere Zeiten an: Dass das Thema innere Sicherheit zweifelsohne auch anno 2016 in aller Munde bleibt, kommt den entsprechenden Modellen zumindest in einigen „sensiblen“ Bereichen teuer zu stehen. Schon in den vergangenen Monaten wurde der Stockschirm schließlich von besonders entschlossen durchgreifenden Behörden als Sicherheitsrisiko erkannt – was eine konsequente Verbannung aus größeren Menschenmengen nach sich zog.

So gehört es etwa bei Fußballspielen der höchsten Sicherheitsstufe zunehmend zum schlechten Ton, den Zuschauern neben Taschen und Rucksäcken auch die stabilen Stockschirme am Einlass abzunehmen. Nach übereinstimmenden Berichten der Thüringer Zeitung und der Neuen Osnabrücker Zeitung treten insbesondere die Klubs der 3. Bundesliga immer häufiger vor unbeschirmten Rängen gegen den Ball. Macht dieses Beispiel Schule, sind Stockschirme in absehbarer Zeit vermutlich auch in anderen Menschenansammlungen nicht mehr gern gesehen: Die schon jetzt omnipräsenten Taschenschirme könnten dann vollends dafür sorgen, dass der größere Bruder irgendwann zu einer aussterbenden Gattung gehört. Übrigens: in die Allianz-Arena des FC Bayern München dürfen von den Zuschauern Regenschirme mitgebracht werden, diese dürfen aber keine Metallspitzen haben.

Allerdings wird von der neuen Erfinder-Generation längst an Modellen getüftelt, die sogar den schmalen Taschenschirm als ein unhandliches Ungetüm erscheinen lässt: Japanische Studenten hatten bereits im vergangenen Jahr einen Prototyp präsentiert, der die bisweilen sperrige Schirmbespannung auf das Altenteil verbannt und hierfür bei Kickstarter satte $ 100.000 von der Crowd eingesammelt. Da sich hier allein der Luftdruck dem Regen entgegenstemmt, könnte der Schirm schon bald auf die Größe eines Lippenstifts schrumpfen – selbst in etwas fernerer Zukunft werden die eingangs gewürdigten Schirm-Verfechter aber dafür Sorge trage, dass auch der seit Jahrhunderten bewährten klassische Regenschirm nie ganz aus dem Straßenbild verschwindet.