Die Regenpresse: Ein Gläschen unter Freunden

Nach langer Trockenheit kehrt der Regenschirm mit dem Beginn des Herbstes nicht nur auf die Straßen, sondern auch in den Blätterwald zurück: In den vergangenen Tagen begannen sich vielerorts auch die hiesigen (Online-)Gazetten daran zu erinnern, dass es fortan wieder eine lohnenswerte Sache ist, sich etwas intensiver mit dem Witterungsschutz auseinanderzusetzen. In einer Glosse wird die Main Zeitung dabei allerdings nur von allzu Menschlichem umgetrieben; weil es in einer stetig komplizierter werdenden Welt eben allerhand zu bedenken gilt, wird das Wichtigste oft genug vergessen. So schätzt der Autor, allein in den letzten zehn Jahren circa 329 Stockschirme und einige Taschenschirme hinter tückischen Ladentüren (oder wo auch immer) eingebüßt zu haben.

Um sich jedoch nicht mit unnötig großer Schuld zu beladen, wird hier das verbummelte Objekt selbst für die Vergesslichkeit verantwortlich gemacht. Schließlich sind die Beziehungen zwischen Mensch und Schirm nicht zuletzt deshalb von kurzer Dauer, weil noch immer kein genialer Erfinder den lautstark auf sich aufmerksam machenden Regenschirm erfand. Bezüglich dieses Vorwurfs muss sich die Main Zeitung allerdings ausgerechnet von einem echten Schirmmacher-Pionier über die neuesten Entwicklungen auf dem Markt belehren lassen. In einem Interview mit Phil Naisbitt – dem Manager des ältesten Schirmgeschäfts Europas – konnten die Leser von Spiegel Online nämlich lernen, dass bei der Ortung behilfliche Apps die Verluste erheblich minimieren können.

Da Naisbitt jedoch verständlicherweise den Traditionen seines seit rund 200 Jahren existierenden Unternehmens verpflichtet ist, sind in dessen Laden in der Londoner New Oxford Street solche Spielereien freilich nicht zu finden. Allerdings darf wohl auch mit Fug und Recht davon ausgegangen werden, dass die hier käuflichen Exemplare nicht einfach mal eben so verloren gehen: Wer etwa für das Stockschirm Premium-Modell gute 3.500 Euro investiert, dürfte hiernach gewiss mit Argusaugen seine garantiert lebenslang haltbare Investition bewachen. Der Preis versteht sich übrigens ohne Werbeanbringung. Für Normalverdiener ist es jedoch tröstlich, dass das Schirmgeschäft auch mit etwas günstigeren Angeboten lockt: Uns hat dabei insbesondere der Regenschirm mit einem Enten-Knauf gefallen, mit denen man aber zumindest unter Anatidaephobie leidenden Zeitgenossen vermutlich keine Freude machen kann.

Große Beliebtheit scheinen sich auf der Insel zudem jene Regenschirme zu erfreuen, die dank eines abnehmbaren Griffs über eine Art Geheimfach innerhalb des Stocks verfügen. Von praktisch denkenden Menschen wird in diesem offenbar besonders gern eine kleine Flasche mit zwei zugehörigen Gläsern verstaut, mithilfe derer sich nach den Erfahrungen des Schirm-Experten dann auch der Sonntagmorgen gleich deutlich angenehmer gestalten lässt: „Wenn Freunde sich treffen, können sie gemeinsam trinken. Und das Ganze ohne aufzufallen – zum Beispiel während der Messe in der Kirche, in einer der hinteren Bänke.“

Nun ist leider nicht überliefert, ob auch die missliche Lage jenes Mannes auf einen solchen „Trinkstock“ zurückzuführen war, über den die Heimatzeitung – das Regionalblatt für Altötting, Traunstein und das Berchtesgadener Land – in einer ihrer jüngeren Ausgaben berichtet: Als gesichert kann hier lediglich angesehen werden, dass eben dieser „Partygänger“ nach einem Besuch des Rosenheimer Herbstfestes von der örtlichen Polizei in vollkommen unzureichender Kleidung aufgegriffen wurde.

heimatzeitung über Regenschirme

heimatzeitung.de über Zweitnutzen von Regenschirmen

 

Da dem 61-Jährigen aus unerfindlichen Gründen sämtliche Textilien abhandengekommen waren, musste dieser seine Blöße mithilfe von zwei Regenschirmen bedecken, an denen in jenem Moment erfreulicherweise kein Mangel bestand. Anstelle von Hemd und Hose bot die Polizei dem Touristen nach kurzen Verhandlungen erstaunlicherweise aber „nur“ ein nächtliches Obdach an, welches der Nackte nach den Recherchen der Heimatzeitung dennoch mit größter Dankbarkeit bezog. Genießen Sie den Regen!