Die Regenpresse: Regenschirme haben Zukunft

Während so mancher „alternative Fakt“ den Klimawandel noch immer in Zweifel zieht, sind die Auswirkungen der Erderwärmung doch auch hierzulande längst zu spüren. Diese hat entgegen der landläufigen Meinung aber nicht gerade optimales Badewetter zu bieten. Wie das in Hamburg ansässige Abendblatt berichtet, kommen infolge des Temperaturanstiegs allenfalls Regenschirme Fans auf ihre Kosten. Die Statistiker des Deutschen Wetterdienstes sagen der Hansestadt demnach immer häufiger das von jeher als typisch angesehene Schietwetter voraus.

Da die Temperaturen im hohen Norden seit 1951 um ca. 1,2 Grad Celsius gestiegen sind, wird von der Luft mittlerweile deutlich mehr Feuchtigkeit absorbiert – die sich dann vor allem in den Wintermonaten ihren Weg ohne Rücksicht auf Verluste wiederum nach unten bahnt.

Folgerichtig war bereits das kürzlich beendete Kalenderjahr 2017 von ungewöhnlich großer Nässe geprägt; die Niederschlagsmenge von 989,9 Litern hat den Mittelwert der Jahre 1981 bis 2010 um fast 200 Liter übertroffen. Hat sich der vorjährige Wert dennoch „nur“ den elften Platz im Ranking der regenreichsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen anno 1891 gesichert, stellen sich historische neue Höchstwerte vermutlich nur als eine Frage der Zeit heraus.

So bot bereits der 3. Januar einen Vorgeschmack darauf, was demnächst wohl immer häufiger vom Himmel kommt: Unmittelbar nach dem Jahreswechsel gingen in Hamburg bemerkenswerte 25 Liter pro Quadratmeter darnieder.

Diese prinzipiell bedenkliche Entwicklung dürfte beileibe aber nicht allen Norddeutschen ungelegen kommen – so bringen sich nicht zuletzt die Produzenten, Importeure und Großhändler von Regenschirmen als potentielle Krisen-Profiteure in Stellung.

Der Klimawandel könnte unter Umständen sogar den einheimischen bzw. europäischen Manufakturen zu einer neuen Blütezeit verhelfen: Entwickeln sich z.B. die Fare Regenschirme erst einmal zu einem täglichen Begleiter, wird sicherlich auch wieder etwas größeres Augenmerk auf Qualität gelegt.

Noch naheliegender erscheint gleichwohl die Annahme, dass künftig noch mehr kostengünstig in Asien zusammengeschraubte Stockschirme und Taschenschirme den deutschen Markt dominieren: Der Billig-Mentalität der Käufer rückt mutmaßlich auch der stärkste Regenschauer nicht zu Leibe.

Ohnehin würden aber auch hochwertigst produzierte Schirme nichts an den psychischen Folgen der sich häufenden Schlechtwettertage ändern; von der „Medizin-Meteorologin“ Christina Koppe wird demnach eine Zunahme von Müdigkeit, Gereiztheit und Schlafstörungen prognostiziert.

Möglicherweise könnte jedoch kleine Werbegeschenke dabei behilflich sein, die gedrückte Stimmung wieder etwas aufzuhellen – schließlich sind derartige Präsente keineswegs nur für den Erhalt von Freundschaften gut.

Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass sich Regenschirme als die praktikabelsten und beliebtesten Werbegeschenke empfehlen: Auf diese Weise vermögen werbetreibende Firmen den beklagten Klimawandel wenigstens zur gekonnten Imagepflege zu nutzen.