Regenschirme und die japanische Regenzeit

Auf Nummer sicher: Japaner schwören auf abschließbare Regenschirmständer

Während die „fünfte Jahreszeit“ hierzulande besonders in rheinischen Gebieten als Inbegriff des Frohsinns gilt, ist dieser Begriff in Japan deutlich negativer konnotiert. Kein Wunder: Schließlich wird im Land der aufgehenden Sonne dergestalt die Regenzeit bezeichnet, die alljährlich im Juni und Juli große Mengen an Niederschlägen mit sich bringt.

Regen Japan

„Erntezeit“ für japanische Regenschirmhändler

Dass sich jene zwei Monate nicht der größten Beliebtheit erfreuen, kann sicherlich niemanden überraschen; damit das öffentliche Leben in diesem Zeitraum aber nicht gänzlich zum Erliegen kommt, haben sich die Japaner allerdings längst den besonderen Gegebenheiten angepasst.

Vom Werbeschirm bis zum luxuriösen Stockschirm

Der den Asiaten nachgesagten Mischung aus Fortschrittsgläubigkeit und Technikbegeisterung dürfte dabei die Idee entsprungen sein, kurzerhand die wichtigsten Fußwege in den am heftigsten gebeutelten Regionen zu überdachen. Da das begrenzte öffentliche Budget jedoch selbst dem größten Baueifer Grenzen setzen muss, ist letztlich auch in Japan vor allem Eigeninitiative gefragt, wenn es den unbarmherzigen Wassermassen zu trotzen gilt. Eine entsprechend große Bedeutung kommt folglich den mitgeführten Regenschirmen zu, die in der malerisch als „Pflaumenregen“ (tsuyu bzw. baiu) bezeichneten Regenzeit praktisch allgegenwärtig sind.

In den betroffenen Sommermonaten lässt sich beispielsweise kein fliegender Händler die Gelegenheit entgehen, vergessliche Zeitgenossen mit als Massenware gefertigten Billigschirmen auszustatten; angesichts der hier angebotenen minderwertigen Qualität greifen in Not geratene Sparfüchse dagegen gleich ganz auf „Einwegschirme“ zurück, die bereits für ein paar Cent zu haben sein sollen. Da man in Land des Lächelns jedoch verständlicherweise mehr als andernorts um den Wert von hochwertigen Regenschirmen weiß, werden oft exquisite Stockschirme von Markenherstellern spazieren geführt – und diesen lassen die Japaner dann natürlich auch eine bevorzugte Behandlung angedeihen.

Regenschirme warten in Garagen – oder werden foliert

Große Kaufhäuser haben längst auf die Beobachtung reagiert, dass die Kundschaft ihre unverzichtbaren Begleiter auch im Ladeninneren nur ungern aus den Augen lässt: Um dennoch die Gefahr von triefenden Regenschirmen ausgelöster Überschwemmungen zu minimieren, wurden in den Eingangsbereichen – neben den gleichfalls nachahmenswerten gekühlten Schließfächern – abschließbare Regenschirmständer aufgestellt. In diesen lassen sich die senkrecht eingestellten Schirme durch einen Verschlussmechanismus sicher verstauen; bei anderen „Schirmgaragen“ garantieren sogar Münz- oder Zahlenschlösser dafür, dass der wartende Begleiter nicht ungewollt einen neuen Besitzer bekommt. Das System funktioniert nicht nur bei Schirmen mit dem „Krücke“ gennanten Rundhakengriff sondern auch bei Ausführungen mit geradem Griff.

umbrella locker

abschließbare Ständer für Regenschirme: Die Vorschau der Google Bildersuche

Wie sehr die Regenschirme den Alltag in der Regenzeit bestimmen, wird spätestens daran erkennbar, dass die abschließbaren Schirmständer auch in zahlreichen öffentlichen Gebäuden wie Bibliotheken, Rathäusern und Museen zu finden sind: Selbst an jenen Orten, an denen die Serviceorientierung bisweilen nicht die entscheidende Rolle spielt, wird zumindest den Schirmen die gebotene Aufmerksamkeit entgegengebracht. Die „Schirmfolien“ werden dagegen in aller Regel noch immer exklusiv in den größeren Einkaufs-Tempeln offeriert: Eigens aufgestellte Apparaturen bieten dabei die Möglichkeit, sowohl Stockschirme als auch Taschenschirme in gelegentlichen Regenpausen in einem schützenden Plastikgewand zu verstauen.