Regenschirme von Tüftlern im Reality Check

Erfindungen neuer Regenschirme sorgen meist für viel heiße Luft

Dem Berufsstand des Regenschirm-Konstrukteurs wurde von der Kinderbuchreihe „Das Sams“ ein literarisches Denkmal gesetzt: Wer jedoch glaubt, dass nur der fiktive Herr Taschenbier seine Arbeitstage mit der Entwicklung von Ganzkörperschirmen für Starkregen und Sonnenschirmen mit Propellern verbringt, wird auch hier von der Realität wieder einmal eines Besseren belehrt. Schließlich sind mehr oder weniger findige Tüftler längst damit beschäftigt, die Regenschirme der Zukunft zu entwickeln – allerdings darf durchaus bezweifelt werden, ob die Welt wirklich auf diese Innovationen gewartet hat.

Ein Regenschirm als „Luftnummer“

Ganz sicher nicht zur Marktreife wird es der selbstaufblasende Regenschirm eines deutschen Entwicklers bringen, der dem Gütesiegel „Made in Germany“ nur wenig Ehre macht. Scheint die Idee zunächst genial zu sein, auf die Größe einer Toastbrotscheibe zusammenfaltbare Schirme im Bedarfsfall mithilfe eines „chemischen Volumenerzeugers“ aufzublasen, stellte sich diese vermeintlich revolutionäre Konstruktion schon bald als ein trügerisches Luftschloss heraus. Dies allerdings freilich erst, nachdem der umtriebige Erfinder rund 700.000 Euro an Startkapital für diesen Werbeartikel bei zahlreichen Investoren eingesammelt hatte; auch Willi Weber, der frühere Manager von Michael Schumacher, ging dem betrügerischen Kaufmann auf den Leim.

Da der Geschäftsmann mit dem zur Verfügung gestellten Kapitel vor allem seinen offenbar aufwendigen Lebensstil finanzierte, brachte nun erst die fällige Gerichtsverhandlung die Schwächen des neuartigen Regenschirms ans Licht. So stand unter anderem der nicht ausgereifte Aufblasmechanismus der Serienreife des prinzipiell funktionsfähigen Prototypes im Weg. Bis sich der Schirm nämlich endlich zur vollen Größe aufgeblasen hat, sind die Regenwolken im besten Fall schon wieder weiter gezogen – andernfalls muss der Benutzer wohl oder übel die Erfahrung machen, was es bedeutet, nass wie ein Pudel zu sein. Willi Weber wird künftig vermutlich jeder Regenschauer daran erinnern, dass ihn diese Fehlkonstruktion einen hohen fünfstelligen Betrag gekostet hat.

Der Regenschirm wird zum Regenstab

Während die Finanzierung der aufblasbaren Regenschirme arglosen Investoren vorbehalten blieb, dürfen sich auch „Kleinanleger“ an der Entwicklung des „Air Umbrella“ beteiligen: Schließlich sammeln die Erfinder, Studenten einer chinesischen Hochschule, ganz zeitgemäß per Crowdfunding Gelder ein, um die Marktreife des Luft-Regenschirms voranzutreiben. Hier ist jedoch gleichfalls anzunehmen, dass schon bald so mancher Unterstützer die Teilnahme an diesem Projekt bedauern wird; bei der Benutzung dieses Schirms bekommt nämlich nicht nur der Besitzer schnell einmal eine kalte Dusche ab.

Dabei ist es durchaus nachvollziehbar, dass der Luft-Regenschirm zumindest Science-Fiction-Fans auf den ersten Blick begeistert. Da hier der Schirm lediglich von einem Luftstrahl gebildet wird, dürfen sich die Käufer des „Air Umbrella“ fortan praktisch bei jedem kleinen Schauer direkt in die Zukunft versetzt fühlen. Der schützende Strahl entstammt hierbei einem rund 30 Zentimeter langen Stab, aus dessen oberen Ende der benötigte Luftstrom entweicht. Wer es gern etwas größer mag, greift nach den Vorstellungen der chinesischen Studenten kurzerhand auf die „B-Version“ mit einem Stab von einem halben Meter Länge zurück.

Der Akku lässt Schirmbesitzer im Regen stehen

Obwohl der Luftschirm tatsächlich seinen Zweck erfüllt, dürfte diese Erfindung aber dennoch kaum in absehbarer Zeit die herkömmlichen Werbeschirme aus dem Straßenbild verdrängen. Hält zum einen die niedrige Akkudauer von 15 bis 30 Minuten schon ziemlich bald eine böse Überraschung bereit, werden zudem auch die Mitmenschen dem „Air Umbrella“ nur wenig abgewinnen können: Von den am Luftschirm abprallenden Regentropfen wird schließlich die unmittelbare Umgebung regelrecht „beschossen“. Wer auf romantische Spaziergänge künftig dennoch nicht verzichten möchte, sollte deshalb besser gleich zwei entsprechende Modelle erwerben – was dann jedoch mit Kosten zwischen 120 und 200 Dollar pro Schirm zu Buche schlägt.

Aufgrund der vielfältigen Schwächen wird somit vermutlich auch diese Erfindung schon bald wieder in der berühmten Schublade verschwinden. Dabei darf man den chinesischen Entwicklern noch dankbar sein, dass ihre Erfindung allenfalls Geld und Nerven kostet. Immerhin lehrt die Geschichte, dass ein Regenschirm-Konstrukteur schlimmstenfalls auch deutlich größeren Schäden anrichten kann: So gehörte sicherlich eine ganze Menge Mut dazu, den zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf den Markt gebrachten „Hybriden“ aus Regenschirm und Blitzableiter auf seine Funktionalität zu testen…

Patentanmeldungen von Regenschirmen

Jeder Erfinder versucht sich irgendwann an einem Regenschirm…