Die Regenpresse: Digital ist besser

Regenschirme werden zu Klangduschen

Schon seit einiger Zeit sind emsige Tüftler mit der Digitalisierung des Regenschirms beschäftigt: Aktuell demonstriert das Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, dass dieser Innovationsgeist nicht zwangsläufig in einer weiteren verzichtbaren App für das Smartphone münden muss.

Wie in den vergangenen Tagen unter anderem der Deutschlandfunk und die Welt berichteten, kann nicht zuletzt auch die Kunst vom unaufhaltsamen Fortschritt profitieren – die Beweisführung hierfür wird aktuell von der Werkschau „Digitale Wasserspiele“ erbracht.

Auf dem Karlsruher Marktplatz fordert der „RainDance“ von Paul DeMarinis kunstinteressierte Passanten bis zum 24. September zu einem kleinen Tänzchen auf; bei dessen Installation machen sich die präparierten durchsichtigen Stockschirme mit Logo als Lautsprecher verdient.

Bei der raumgreifenden Klanginstallation werden Wassertropfen als Überträger von Klangvibrationen genutzt; aus per Computer gesteuerten Düsen regnet das musikalische Nass per Sprühstrahl auf die beschirmten Besucher hinab.

In Abhängigkeit von der Tropfgeschwindigkeit wandeln die ausgehändigten Regenschirme den künstlichen Regen in Töne um; so haben beispielsweise 440 Tropfen pro Sekunde zur Folge, dass – wenngleich leicht scheppernd – der Kammerton A erklingt.
In dem mit künstlichen Efeu umrankten Tunnel lassen sich auf diese Weise verschiedene Evergreens der Musikgeschichte vernehmen. Neben klassischen Klängen von Mozart wird unter anderem auch das thematisch noch besser passende „Singing in the Rain“ auf den Schirm „gesprüht“.

Obwohl sich der in Stanford lehrende DeMarinis natürlich ausschließlich künstlerischen Ansprüchen verpflichtet fühlt, scheint dessen Werk bereits einen Blick in die Zukunft zu eröffnen: So ist es durchaus denkbar, dass beispielsweise als Werbegeschenke überreichte musikalische Taschenschirme schon bald griffige Slogans und Jingles ertönen lassen.

Als weiteres digitales Schmankerl präsentiert das ZKM zudem eine „3D Wassermatrix“, die einer Weiterentwicklung des klassischen Brunnens entspricht. Auf einem gewaltigen schwarzen Kubus werden hierbei mithilfe von 900 Elektroventilen teils atemberaubende Effekte erzielt.

Exakt kontrollierbare Wassertropfen lassen hier einen dreidimensionalen Vorhang entstehen, der virtuose Kompositionen möglich macht. Die für diese Installation verantwortlichen Shiro Takatani und Christian Partos ziehen die Zuschauer unter anderem mit aufwärts fließendem Wasser und einem glitzernden Sternenhimmel in ihren Bann.

Für die Verwendung in „freier Wildbahn“ kommt der Brunnen 2.0 aufgrund des erheblichen Wartungsaufwands vorerst jedoch wohl leider nicht in Frage: Allerdings könnten finanzkräftige Unternehmen die digitalen Hingucker so mancher klammen Gemeinde freundlicherweise als originelle Werbegeschenke spendieren.