Die Regenpresse: Back to the basics

One more Thing: Ein Taschenschirm…

Ebenso wie im normalen Leben, führt auch in der Wirtschaft nicht immer der erstbeste Weg ans Ziel: Bisweilen mussten sich Unternehmen erst gänzlich neu erfinden, um hiernach mit einem überraschenden Produkt den Alltag der Konsumenten zu revolutionieren.

Als ein besonders markantes Beispiel hierfür ist der schon vor längerem ins Schlingern geratene Telekommunikationskonzern Nokia bekannt, der in seinen Anfangstagen zunächst Gummistiefel produzierte, bevor er dann rund um die Jahrtausendwende das Handy in jedes Wohn- und Kinderzimmer brachte.
Die komplett entgegengesetzte Richtung schlägt nun der chinesische Gigant Xiaomi ein, der sich nach seiner Gründung im Jahre 2010 binnen kürzester Zeit zum drittgrößten Smartphone-Hersteller der Welt aufgeschwungen hat – und den entsprechenden Markt erwartungsgemäß vor allem im angestammten „Reich der Mitte“ dominiert.

Da Xiaomi zudem auch ebenso kostengünstige wie begehrte Notebooks baut, sollte man eigentlich meinen, dass Regenschirme für ein derart technikaffines Unternehmen allenfalls als Werbegeschenke von Bedeutung sind: Dies ist jedoch eine Annahme, die der kürzlich aus der Taufe gehobene Luo Qing Umbrella ins Reich der haltlosen Mutmaßungen verbannt.

Zwar wird jener Schirm lediglich von der Konzerntochter Mijia vertrieben, die sich mit mehr oder weniger praktischen Produkten der Verschönerung des trauten Heims verpflichtet fühlt; selbst unter diesem Label scheint der Luo Qing Taschenschirm jedoch zunächst einmal ein ziemlich skurriler Fremdkörper zu sein.

Bis dato hatte Mijia schließlich konsequent die „Smartisierung“ des Haushalts vorangetrieben: Als hauseigenes Flaggschiff wird folglich ein per App bedienbarer Reiskocher gehandelt, der mithilfe des eingelesenen Barcodes aus angeblich über 2000 verschiedenen Zubereitungsarten die im Idealfall beste Variante wählt.

Die nun erhältlichen Taschenschirme kommen hingegen ohne jeglichen technischen Schnickschnack aus. Doch wenngleich für die Bedienung des Schirms noch nicht einmal ein Smartphone vonnöten ist, zeigt sich Xiaomi auch bei diesem klassischen Accessoire um eine Versöhnung mit der Moderne bemüht.

Nutzer der optisch eher unauffälligen Regenschirme können immerhin mit einem extrem wasserabweisenden Material den künftigen Regenfällen trotzen. Obendrein bringt der aus einer Teflon-Beschichtung resultierende Schutz vor UV-Strahlen die Innovation auch als Sonnenschutz ins Spiel, was aber selbst bei Werbeschirmen schon beinahe Standard ist. Besonderes Interesse dürfte neben dem geringen Gewicht von rund 230 Gramm aber vor allem die Preisgestaltung nach sich ziehen: Der umgerechnete Kaufpreis von etwa 10 Euro ist zweifellos als eine Kampfansage an die um sich greifenden „Einwegschirme“ zu verstehen.

Aufgrund dieses Schnäppchenpreises scheinen die Luo Qing Umbrella dann aber doch auch bestens als Werbegeschenke geeignet zu sein: Wird der jüngste Coup demnächst zudem noch um etwas raumgreifendere Stockschirme ergänzt, stiehlt dies dann möglicherweise sogar dem smartesten Reiskocher die Show.