Regenschirme eines Start-ups: Alle weg?

Die Medien sind voll von ambitionierten Versuchen, endlich auch Regenschirme in eine bessere Zukunft zu überführen – das Objekt der Begierde scheint sich bislang allerdings mit großem Erfolg gegen derartige Vorhaben zu sperren.

Von einem solchen Fehlschlag wusste vor wenigen Tagen einmal mehr die Computer Bild zu berichten, die sich in ihrem Beitrag mit gewohnt überschaubarer Faktentreue auf einen ausführlichen Artikel der South China Morning Post vom 7. Juli beruft.

Letztere zerrte die Leidensgeschichte eines jungen chinesischen Start-ups ans Licht, welches sich mit Herzblut der Sharing Economy verschrieben hat: Inspiriert von dem in Asien florierenden Fahrrad-Verleih, stampfte die Firma E Umbrella einen Mietservice für Taschenschirme und Stockschirme aus dem Boden.

Nach der Hinterlegung eines geringen Pfands bietet E Umbrella vom Regen überraschten chinesischen Stadtbewohnern die Möglichkeit, per App auf Regenschirme zuzugreifen; ein potentiell rettender Service, der gerade einmal mit schlappen 12 Cent pro Stunde zu Buche schlägt.

Mit diesen Kampfpreisen werden selbst die Kosten der auch in China besonders beliebten Einwegschirme unterboten. Der Verkauf lediglich einen kurzen Heimweg verkraftender Taschenschirme hatte sich im Fernen Osten in den vergangenen Jahren zu einem lukrativen Geschäftsmodell entwickelt.

Das drohende Scheitern der Geschäftsidee von E Umbrella ist folglich nicht auf das fehlende Interesse einer kritischen Masse an Kunden zurückzuführen – vielmehr scheinen die Leihschirme in kürzester Zeit zu einem äußerst beliebten Sammlerobjekt geworden zu sein. So musste das Startup kürzlich vermelden, dass „die meisten“ der zunächst in elf Städten verteilten 300.000 Regenschirme umgehend entwendet worden sind. Ein bedrohlicher Schwund, den der Gründer Zhao Shuping nicht zuletzt auch den speziellen Eigenarten des Schirms zum Vorwurf macht:

„Die Regenschirme unterscheiden sich von Fahrrädern. Fahrräder können überall geparkt werden, aber für einen Regenschirm braucht man ein Geländer oder einen Zaun, um diesen anzuhängen.“

Wurden die Regenschirme irrtümlich für Werbegeschenke gehalten?

PR-Experten führen die hier beklagten Problem hingegen wohl eher auf die anhaltende Popularität der Regenschirme als Werbegeschenke zurück – immerhin scheint derzeit auch so mancher zum Hamstern neigende Kunde des Start-ups die Leihgaben fälschlicherweise als Werbeartikel anzusehen.

Auch die South China Morning Post verweist darauf, dass die Tücken des Geschäftsmodells nicht vordergründig auf die besonderen Ansprüche des Regenschirms zurückzuführen sind; so werden momentan auch von einem chinesischen Fahrradverleih rund 90% aller zur Verfügung gestellten Gefährte vermisst.

Zhao Shuping können vorerst aber auch solche warnenden Meldungen nicht entmutigen: Stattdessen kündigte sein Unternehmen unverdrossen an, das gesamte Reich der Mitte bis zum Ende des Jahres mit insgesamt 30 Millionen(!) neuen Leih-Regenschirmen zum Einkaufspreis von je 7,70 Euro zu überfluten.