Die Regenpresse: Anrufe auf dem Regenschirm

Immer wieder hatten wir in den vergangenen Monaten über diverse Versuche berichtet, Regenschirme unter technischen Gesichtspunkten in das 21. Jahrhundert zu überführen. Bereits seit Beginn des Jahres 2016 mischt auch der Oombrella als eine Art Tausendsassa auf dem Markt der Möglichkeiten mit.

Nachdem der smarte Schirm im Januar bei Consumer Electronic Show in Las Vegas großes Interesse auf sich zog, ließ erwartungsgemäß auch die benötigte Finanzspritze nicht lange auf sich warten: Bei Kickstarter sammelte das hinter der Erfindung stehende Startup Weezoo im Handumdrehen die gewünschten 60.000 Euro ein.

Hier machte es offenbar bezahlt, dass sich zum Start der Kampagne etliche Oombrellas als Werbegeschenke in die Redaktionsstuben zahlreicher Medienhäuser verirrten. Folglich wurde über die innovativen Regenschirme selbst von eher konservativen Presseerzeugnissen berichtet, in denen man den technischen Fortschritt ansonsten gern auch einmal etwas kritischer beäugt.

In den einschlägigen Tech Blogs und Zeitschriften riefen die smarten Regenschirme bislang hingegen ein gespaltenes Echo hervor: Von wohlwollenen Berichten setzt sich etwa das renommierte Computermagazin Chip ab, welches den Schirm lediglich in dem weniger schmeichelhaften Artikel „Lächerliche Gadgets: Diese Dinger braucht kein Mensch“ erwähnte.

Dabei kann dem Startup durchaus zugutegehalten werden, konsequent wie wohl nie zuvor auf die „Smartisierung“ des Regenschirms zu setzen: Mit der Warnung vor sich nähernden Regenfronten sind die Möglichkeiten des Oombrella dank der verbundenen App schließlich längst noch nicht ausgereizt.

So ermöglicht es etwa das permanente Tracking, die eigenen Regenspaziergänge nachträglich noch einmal mit sämtlichen zugehörigen Wetterdaten nachzuvollziehen – eine Funktion, die jedoch sicherlich nicht nur von Haus aus kritischen Datenschützern die Haare zu Berge stehen lässt.

Auch die Möglichkeit, an der Spitze der Regenschirme eine GoPro-Kamera zu installieren, deutet auf den Plan von Weezoo hin, Spaziergänge durch den Regen zu einem erinnerungswürdigen Event zu machen: Man darf gespannt sein, ob sich verwackelte Videoaufnahmen von aufziehenden Gewitterfronten demnächst zum neuesten Trend auf YouTube entwickeln.

Den Smartwatches macht der Schirm mit der Möglichkeit Konkurrenz, sich per blinkenden Griff über eingehende Anrufe und Mitteilungen auf dem Smartphone informieren zu lassen; ebenso ruft sich der Oombrella zudem in Erinnerung, wenn er einmal in der Hektik des nerdigen Alltags vergessen zu werden droht.

Wen der vorab kalkulierte Verkaufspreis von etwa 70 Euro dennoch nicht aus der Reserve lockt, der kann mit dem separat erhältlichen „Modul“ ein – nun ja – Schnäppchen schlagen. Für knappe 30 Euro dockt dieses auch alte Taschenschirme und Stockschirme an das Smartphone an.

Bis auf weiteres sind jedoch nicht nur aufgrund der Kosten Zweifel angebracht, ob die Oombrellas demnächst tatsächlich – etwa als exklusive Werbegeschenke – das Straßenbild moderner Städte prägen: Der von Weedoo ursprünglich für den Oktober 2016 geplante Verkaufsstart scheint in jedem Falle nicht mehr aktuell zu sein. Das letzte Kampagnen-Update datiert vom 31. August; ein Schelm, wer Böses dabei denkt…