Regenpresse: Herbstlaub im Blätterwald

Einbrecher, Werbeschirme und Demokratie-Merchandising

In den vergangenen Herbsttagen waren Regenschirme im hiesigen Straßenbild derart allgegenwärtig, dass sich auch die Medienlandschaft immer wieder dieses heißen Eisens angenommen hat: Angesichts der Fülle an veröffentlichten Artikeln dürfte es wohl nicht mehr allzu lange dauern, bis das erste Leitmedium die aktuellsten Schirm-News per aufgeregtem Live-Ticker in die Welt zu tragen beginnt. In dieser Woche war es deshalb ein Kinderspiel, drei Perlen der Berichterstattung herauszusuchen, in denen es thematisch ausnahmsweise aber ein bisschen quer durch den Gemüsegarten geht.

Da das Leben bekanntlich hart genug ist, soll an erster Stelle eine positive Nachricht stehen: Wer nämlich schon immer das Verlangen verspürte, sich mit Werbegeschenken des Bundestags einzudecken, hat seit Juli dieses Jahres nahezu freie Wahl, muß diese aber käuflich erwerben und dafür recht tief in die Tasche greifen. In gleich zwei neu eröffneten Bundestagsshops warten in der Hauptstadt fortan über 60 verschiedene Werbeartikel – vom Bleistiftset bis zur edlen Kuriertasche – auf Käufer, die laut der von der Berliner Morgenpost zitierten Ausschreibung eine dem „Ansehen des Parlaments Rechnung tragende Qualität“ besitzen.

Regenschirm des Bundestags mit Allover-Print der Reichstagskuppel

von wegen Werbegeschenke: Merchandising-Artikel

Da sich die Volksvertreter bekanntlich einer schwankenden Beliebtheit erfreuen, kann ein bisschen zusätzliche PR gewiss nicht schaden: Folglich wird das Sortiment in den kommenden Monaten sukzessive aufgestockt. Als topaktueller Neuzugang wird im Angebot im Übrigen ein Regenschirm begrüßt, dessen Bezug die Reichstagskuppel samt Besuchergruppen als Allover-Print ziert. Außerdem lassen sich auch etwas schlichtere Stockschirme mit dem Bundesadler erwerben, die per Bundestag-Schriftzug auf den Urheber der in modischer Hinsicht durchaus passablen Kollektion verweisen.

Wir überlassen es an dieser Stelle dem geneigten Leser, sich gedanklich für eine passende Überleitung von der Politik zur zwielichtigen Unterwelt zu entscheiden: Ein gemeinsamer Nenner scheint hier in jedem Fall zu sein, dass weder Staatsmänner noch Einbrecher gerne im Regen stehen. Weil sich ein Gauner-Duo im österreichischen Klagenfurt jedoch ausgerechnet an einem besonders trüben Tag auf Beutezug begab, wurde die übliche Ausrüstung um einen der allseits beliebten Taschenschirme ergänzt.

Dieses kleine Detail ist deshalb von Belang, da – wie der ORF und die Kleine Zeitung berichteten – sich die Diebe bei einem Einbruch von der offenbar zur Unzeit heimkehrenden Wohnungsbesitzerin überraschen ließen und bei dem überstürzten Aufbruch sowohl Diebesgut als auch Regenschirm vergaßen. Da der Blick zum grauen Himmel jedoch Ungemach verhieß, kehrte einer der Beiden unvermittelt an den Tatort zurück, um den liegengebliebenen Schirm wieder in seinen Besitz zu nehmen. Noch sind die schätzungsweise 20 bis 30 Jahre alten Männer flüchtig: Wer also etwa sachdienliche Hinweise zum Verbleib des Regenschirms geben kann, ist in den örtlichen Polizeidienststellen sicherlich gern gesehen.

Mit einer Fleißarbeit hat sich in der vergangenen Woche zu guter Letzt das Film-Portal moviejones.de um den Regenschirm verdient gemacht: Um den grauerer werdenden Tagen auch etwas Positives abzugewinnen, stellte die Redaktion ihre ganz persönlichen Lieblings-Filmszenen zusammen, in denen ein mehr oder weniger dramatischer Wolkenbruch für ein Plus an Atmosphäre sorgt. Bei der Auflistung fällt jedoch schnell ins Auge, dass es den Filmhelden oft an der einzig vernünftigen Requisite fehlt – das Mistwetter scheint auf der Leinwand eine weitaus größere Wirkung zu erzielen, wenn der Protagonist nach allen Regeln der Kunst eingeregnet wird.

Sammlung nasser Lieblings-Filmszenen. Mal mit, mal ohne Regenschirme

Screenshot: Portal Movie Jones über Filmszenen mit ohne Regenschirm…

Eine rühmliche Ausnahme wird hier lediglich vom unvermeidlichen Streifen Singin‘ in the Rain gemacht, dem in diesem Ranking erwartungsgemäß der erste Platz gebührt. Deutlich origineller geht es dafür auf den hinteren Rängen zu, auf denen etliche moderne Klassiker wie Jurassic Park, Spider-Man oder Der Herr der Ringe zu finden sind. Mit weniger martialischen Handlungen warten derweil Zurück in die Zukunft und die Truman Show auf – was die jeweiligen Schauspieler aber dennoch nicht vor nassen Füßen schützt. Bemerkenswert ist in dieser Aufstellung zudem, dass Tom Hanks offenbar besonders gern durch den künstlichen Filmregen spaziert: Mit Der Soldat James Ryan und Forrest Gump kann der zweifache Oscar-Preisträger hier gleich auf mehrere Nennungen verweisen.