Die Regenpresse: royales Glück und Vogeldreck

Mit dem vorletzten Teil des Jahresrückblicks 2015 befanden wir uns vor wenigen Tagen offensichtlich erstaunlich nah am Puls der Zeit: Kaum hatten wir den im Juni absolvierten Berlin-Besuch von Queen Elizabeth II. in Erinnerung gerufen, wussten die bunter Blätter und Blogs bereits von den neuesten Entwicklungen am englischen Hofe zu berichten, die wir an dieser Stelle – gewissermaßen als medialer Verstärker – natürlich ebenfalls gern zur Kenntnis geben.

Unser gesteigertes Interesse hat hier aber zugegebenermaßen weniger die allem Anschein nach noch immer intakte Beziehung zwischen William und seiner Herzogin Kate geweckt, als das unverzichtbare Requisit, welches dem Paar auch an den Weihnachtsfeiertagen in unverbrüchlicher Treue zur Seite stand. Die Macht des die jungen Herzen zusammenführenden Schirms ist dabei selbstverständlich auch dem monarchischen Fachmagazin Promiflash.de nicht entgangen; schließlich hatten es die „verliebten Blicke unter dem Regenschirm“ bereits in die Überschrift des Artikels geschafft.

Wie Schuppen fällt es dem Leser an dieser Stelle aus den Augen, dass Stockschirme praktisch gar nicht überbewertet werden können, sobald es um die großen menschlichen Themen wie die Liebe geht. Wenn Promiflash.de über die „süßen Blicke“ der royalen Prominenz berichtet, wird folglich sogar gänzlich unbeteiligten Romantik-Muffeln noch einmal weihnachtlich warm ums Herz: „William ist offensichtlich ganz vernarrt in seine schöne Herzogin und diese natürlich auch in ihn“.

Wer sich an dem Glück von William und Kate partout nicht sattsehen kann, dem sei ergänzend die ausführliche Bilderstrecke auf welt.de zur wohlwollenden Prüfung empfohlen – Regenschirme selbstverständlich wieder inklusive. Da sich das Leben jedoch selbst „zwischen den Jahren“ nicht ausschließlich auf dick aufgetragenen Schmalz und strahlende Prinzessinenaugen reduzieren lässt, haben die hiesigen Medien in der vergangenen Woche auch ungleich unappetitlichere Themen recherchiert, bei denen allerdings erneut der Schirm als heimlicher Held in Erscheinung tritt.

Nachdem Rom in seiner jahrtausendealten Geschichte bereits etliche kritische Situationen überstand, droht die „Ewige Stadt“ nun ausgerechnet vor einer Starenplage in die Knie zu gehen: Wie das Schweizer Nachrichtenportal news.ch dokumentiert, sind schon seit Anfang Dezember Millionen dieser Tiere im Begriff, die italienische Hauptstadt mit einem perfiden Plan in Besitz zu nehmen. Zwar gestaltet sich das Zusammenleben mit der menschlichen Urbevölkerung im Großen und Ganzen friedlich – die Verdauung der Vögel setzt den Römern dann allerdings doch gewaltig zu.

Immerhin sorgen die riesigen Schwärme dafür, dass ein regelrechter Kot-Regen auf die 3-Millionen-Metropole herniedergeht. Da sich aufgrund des Vogeldrecks bereits die Sperrung mehrerer Straßen erforderlich machte, wagt sich insbesondere an den „Hot Spots“ der Stare rund um den Tiber kaum noch ein Römer unbeschirmt aus dem Haus. Von ihrem Vorhaben, den Winter in der wohltemperierten Stadt zu verbringen, brachten die Vögel nicht einmal imposante Megafone ab, welche die Schreie von Raubvögeln imitieren.

Thematisch passend nutzen wir den letzten Teil des Jahresrückblicks, um die leidgeprüften Italiener wenigstens in moralischer Hinsicht zu unterstützen: Während Taschenschirme und Werbeschirme nämlich ausschließlich Spaziergänger angemessen schützen, liefern sich die meisten Fahrradfahrer noch immer mit Haut und Haar der Starenplage aus. Dabei hatte der Stern schon im September eine maßgenaue Lösung für sämtliche denkbaren Formen des Niederschlags präsentiert – schließlich macht das abnehmbare Dach „Dryve“ mittlerweile auch den Drahtesel wetterfest.

Zwar ergab der Selbsttest eines mutigen Redakteurs(„…sieht auf den Bildern im Internet albern aus…“), dass das Produkt eines eidgenössischen Unternehmens den Fahrkomfort erheblich schmälert; dafür erfüllte aber zumindest der Wetterschutz in der erhofften Weise seinen Zweck. Die in Hamburg beobachtenden „mitledigen“ Blicke anderer Fahrradfahrer haben „Dryve-Besitzer“ in Rom wohl ohnehin nicht zu fürchten – immerhin hat in der italienischen Hauptstadt derzeit nur derjenige gut lachen, der sowohl trocken als auch sauber sein Ziel erreicht.