Die Regenpresse: Regenschirme können Leben retten

Von lebensrettenden Regenschirmen, kleinen Taschenschirmen und großen Polizeieinsätzen

Wer träumt – zumindest in schwachen Momenten – nicht davon, ein etwas besserer Mensch zu sein? Wie dies möglicherweise funktionieren kann, konnten aufmerksame Zeitungsleser in den vergangenen Tagen anhand gleich mehrerer positiver Beispiele der internationalen Presse entnehmen. Bei den teils mehr, teils weniger zur Nachahmung empfohlenen Anregungen lässt sich ein Muster erkennen, welches zumindest uns überhaupt nicht überrascht: Demnach sind mitgeführte Regenschirme noch immer ein ziemlich sicherer Hinweis darauf, dass man es mit grundanständigen Mitmenschen zu tun bekommen hat.

Dabei folgen diese guten Seelen – unabhängig davon, ob sie nun Stock-, Taschen- oder Werbeschirme ihr eigen nennen – zumeist der Regel, dass sich das wirklich Edle oftmals nur in den kleinen Taten zeigt: So wusste der britische Independent von einem stillen Helden zu berichten, der derzeit als inoffizieller Anwärter auf den Preis des „Vater des Jahres“ in den sozialen Netzwerken enorme Popularität erlangt. Dabei ist nicht viel mehr über den offenbar aus Vancouver stammenden Mann bekannt, als dass er auf einem zufälligen Schnappschuss den gerade einzig greifbaren Schirm schützend über den Kopf des Sohnes hält – während der Regen zugleich erbarmungslos das Business-Outfit des Vaters durchnässt.

Nun könnte natürlich gefachsimpelt werden, dass zu kleine Taschenschirme mutmaßlich eben nicht der optimale Begleiter für einen kleinen Familienausflug sind: Weil der selbstlos handelnde Vater jedoch reihenweise Frauenherzen zum Schmelzen bringt, ist dem auf Reddit von mehr als 3 Millionen Nutzern bestaunten Foto nun sogar der Sprung in die klassischen „Holz-Medien“ geglückt. Versierte Kenner des Internets dürften jedoch längst wissen, dass es noch einen deutlich verlässlicheren Weg gibt, im Netz für Furore zu sorgen – stimmiger Katzen-Content sticht schließlich selbst die innigste Vaterliebe aus.

Über eine besonders herzzerreißende Geschichte wusste kürzlich die New Yorker Website The Dodo zu berichten – ein Portal, welches sich auch ansonsten ganz dem lieben Vieh verpflichtet fühlt. In einem ausführlichen Bericht wurde hier einem japanischen Studenten die verdiente Aufmerksamkeit zuteil, der einer in einen Kanal gestürzten Katze mithilfe seines modischen Regenschirms ins Trockene verhalf. Das gerettete Opfer hatte trotz des versöhnlichen Endes offenbar nicht seinen allerbesten Tag erwischt; schließlich war die Katze nur deshalb in ihre missliche Lage geraten, weil sie unmittelbar zuvor ein rücksichtslos auf seine Vorfahrt pochender Autofahrer auf der benachbarten Straße in Panik versetzte.

Während der tierliebe Japaner bei seiner halsbrecherisch anmutenden Aktion jedoch auch noch die Kontrolle über seinen Regenschirm behielt, steuert NOS, das Internet-Angebot des niederländischen Rundfunks, zu guter Letzt ein warnendes Beispiel dafür bei, dass das Tragen eines Schirms durchaus auch einmal zu Kontrollverlusten führen kann. Demnach wurde ein Grieche bei seiner Sightseeing-Tour durch Amsterdam von einem Großaufgebot Polizisten überwältigt, „bloß“ weil sein lässig geschulterter Stockschirm einem Gewehr nachempfunden war.

Sorgte für einen Polizeieinsatz: "Regenschirm-Gewehr"

Sorgte für einen großen Polizeieinsatz in Amsterdam: „Regenschirm-Gewehr“

Zwar werden vermutlich selbst diesbezügliche Laien beim Betrachten der „Beweisfotos“ schnell zu der Überzeugung gelangen, dass die Ähnlichkeit zwischen Regenschirm und Gewehr hier sehr enge Grenzen hat; der bei seiner Verhaftung verständlicherweise völlig überrumpelte Tourist dürfte beim Kauf von originellen Souvenirs demnächst dennoch wählerischer sein: Die als Regenschutz dienende Anscheinswaffe hatte der 30-Jährige nämlich nicht als Werbegeschenk erhalten, sondern in einem ansässigen Laden erstanden. Dessen Inhaber konnte sich nun ohne jedes eigenes Zutun über einen gelungenen Werbefeldzug für seine gewagten Stockschirme freuen. Allerdings war diese Freude nur von kurzer Dauer, da die holländischen Sicherheitskräfte zwischenzeitlich eine Konfiszierung dieser besonderen Schirmgattung ankündigten.